Fresko. Eine Hinsicht.   (1995)

für großes Ensemble und 12-stimmigen Solistenchor mit Live-Elektronik

 

Picc, Es-Kl, Kfg, 2 Trp, 2 Pos, 2 E-Git, 3 Schlzg, Pno (auch Cel), 2 Vln, 2 Vcl, Kb, Sopran, Sprecher und 12-stimmigen Solistenchor mit Live-Elektronik

 

Dauer: ca. 26 '  

 

UA am 17.01.1995, Schloß Gottesaue Karlsruhe 

Ensemble für Neue Musik der Musikhochschule Karlsruhe

Leitung: Zsolt Nagy

Technische Realisation und Klangregie: Rainer Lorenz und Thomas A. Troge

Fresko. Eine Hinsicht. - Ensemble der HfM Karlsruhe, Zsolt Nagy
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Fresko. Eine Hinsicht. für großes Ensemble und 12-stimmigen Solistenchor mit Live-Elektronik bildet das zweite Stück einer Trilogie. Das erste, Fresko. Eine Sehnsucht.,  ist für das Aleph Gitarrenquartett geschrieben worden, das dritte wird ein Orchesterstück mit dem Titel Fresko. Eine Zuflucht. sein.

Fresko. verweist auf einen Bezug zur bildenden Kunst. Fresken, gemeint sind ausschließlich frühe Fresken, beeindrucken mich aufgrund ihrer großen Klarheit, Einfachheit und Kraft. Das steht in keiner Verbindung zu Simplizität und Banalität, im Gegenteil: komplexe Sachverhalte werden auf eine atemberaubende Art und Weise dargestellt, die einerseits Sehnsucht, andererseits Distanzierung weckt. Diese Schönheit, die ich hier finde, besitzt eine seltsame Aura: Anziehung und vorsichtige Entfernung, eine kühle Nähe, gespannt konzentrierte Intimität.

Nun ist die Trilogie keineswegs der Versuch, Fresken musikalisch nachzuzeichnen, das Medium Musik ist per se nicht dazu in der Lage. Die Vorstellung von Bildlichkeit meint also nicht Nachahmung, Kopie oder Beschreibung bestimmter Werke der Fresco-Technik. Der Fresko-Gedanke spürt für mich vielmehr einer spezifischen Atmosphäre nach, die mich  bei der Betrachtung von Fresken berührt. Es fällt nicht leicht dieses Gefühl von 'berührt sein' zu formulieren, zumal es mir eben nicht um inhaltliche Kongruenz oder technische Entsprechung geht, wahrscheinlich aber um die sehnsüchtige Annäherung an einen bestimmten Zustand, der am Ende mit Fresken nichts zu tun haben muss. Begriffe und Wörter fallen mir dazu ein: Patina, verblasste Farben und Flächen, Grade von Rauheit, taktile Erfahrungen, Brüchigkeit, Vereinzelung, Inselhaftigkeit und immer wieder Klarheit, große Klarheit und Einfachheit, starke Einfachheit.

Diese Gedanken sind es, die mir bei der Arbeit an Fresko. immer wieder durch den Kopf gehen und in formaler und struktureller Gestaltung Spuren hinterlassen.

Markus Hechtle